Warum ein EA mit 90 % Trefferquote ein Warnsignal ist
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Warum ein EA mit 90 % Trefferquote ein Warnsignal ist
Die Zahl, die auf Verkaufsseiten für EAs am meisten ins Auge sticht, ist meist die Trefferquote. „92 % Trefferquote“, „88 % Trefferquote" — intuitiv denkt man: „Wenn er 9 von 10 gewinnt, muss er gut sein.“ Tatsächlich gilt aber paradoxerweise: Je stärker ein EA mit einer hohen Trefferquote wirbt, desto schneller kann er ein Konto mit einem einzigen Schlag zerstören.
Der Grund ist einfach. Die Trefferquote sagt für sich genommen nichts darüber aus, wie viel im Schnitt gewonnen und wie viel verloren wird.
Warum die Trefferquote allein nichts aussagt — mathematisch betrachtet
Ob ein System profitabel ist, entscheidet nicht die Trefferquote, sondern der Profit Factor (Gesamtgewinn ÷ Gesamtverlust). Der Zusammenhang lautet:
Profit Factor = (Trefferquote × durchschnittlicher Gewinn) ÷ (Verlustquote × durchschnittlicher Verlust)
Daraus ergibt sich eine wichtige Schlussfolgerung: Derselbe Profit Factor lässt sich mit völlig unterschiedlichen Trefferquoten erreichen.
| Typ | Trefferquote | Ø Gewinn : Ø Verlust | Profit Factor |
|---|---|---|---|
| Trendfolge | 35 % | 3,0 : 1 | ca. 1,6 |
| Grid mit hoher Trefferquote | 90 % | 0,18 : 1 | ca. 1,6 |
Der Profit Factor ist identisch. Doch die Struktur dahinter ist genau entgegengesetzt.
- Der Trendfolge-Typ hat „viele kleine Verluste + wenige große Gewinne“. Ein einzelner Verlust ist gering.
- Der Typ mit hoher Trefferquote hat „viele kleine Gewinne + gelegentlich einen riesigen Verlust“. Ein einziger Verlust kann den Gewinn von 5 bis 6 Trades in einem Moment auslöschen.
Kommt es beim Typ mit hoher Trefferquote zu einer Verlustserie — und das passiert früher oder später zwangsläufig —, sind die Gewinne mehrerer Monate über Nacht verschwunden. Trotz identischem Profit Factor ist das Risiko eines Totalverlusts völlig unterschiedlich.
Was sich hinter einer hohen Trefferquote verbirgt
Der gängigste Weg, eine Trefferquote von 90 % zu erreichen, ist eigentlich simpel: Verluste einfach nicht realisieren.
- Nachkaufstrategie (Averaging Down): Bei einer Position im Minus wird gegen den Trend weiter zugekauft. Das senkt den durchschnittlichen Einstiegspreis, sodass schon eine kleine Erholung reicht, um „im Gewinn“ zu schließen. Die Trefferquote steigt. Erholt sich der Kurs jedoch nicht, wächst die Position schneeballartig, bis die Margin aufgebraucht ist.
- Martingale: Nach jedem Verlust wird die Lotgröße verdoppelt. Ein einziger Gewinn gleicht alles aus. Die Trefferquote steigt. Bei einer anhaltenden Verlustserie kommt es jedoch zu einem exponentiellen Kollaps.
- Grid: Orders werden in festen Abständen in beide Richtungen platziert. In Seitwärtsphasen ist die Trefferquote hoch. Doch sobald ein Trend entsteht, gerät eine ganze Seite komplett ins Minus.
Allen gemeinsam ist: Die hohe Trefferquote wird erkauft, indem Verluste nicht begrenzt werden. Die Trefferquote verschiebt das Risiko lediglich in die Zukunft. Die saubere, steil ansteigende Kurve im Backtest bedeutet oft nur, dass „der eine entscheidende Schlag“ noch nicht gekommen ist.
Deshalb zählen „maximaler Drawdown“ und „ob Stop-Loss vorhanden ist“
Bei der Bewertung eines EA mit hoher Trefferquote sollte man nicht auf die Trefferquote schauen, sondern auf:
- Hat jeder Trade einen harten Stop-Loss? Ohne diesen kann ein unrealisierter Verlust theoretisch unbegrenzt wachsen.
- Basiert der maximale Drawdown auf dem Eigenkapital (Equity)? Ein DD auf Kontostand-Basis erscheint bei einem EA mit offenen Verlustpositionen nur als Bruchteil des tatsächlichen Risikos (siehe Artikel zum DD-Management).
- Gewinn/Verlust pro Jahr. Bei EAs mit hoher Trefferquote verdeckt der Durchschnitt oft ein einzelnes Jahr, in dem das Konto kollabiert ist.
Liegt die Trefferquote über 80 % und ist gleichzeitig kein Stop-Loss dokumentiert, ist das ein klares Warnzeichen für Nachkauf- oder Grid-Strategien.
Ein EA mit nur 34,5 % Trefferquote — und trotzdem solide
Viele unserer wichtigsten Trendfolge-EAs liegen mit ihrer Trefferquote deutlich unter 50 %. Ein Beispiel: Eine USDJPY-Trendfolgestrategie erzielte im 9,4 Jahre umfassenden Test mit echten Tick-Daten eine Trefferquote von 34,5 %, einen Profit Factor von 1,50 und einen maximalen Equity-Drawdown von 10,3 %.
Zwei von drei Trades enden mit einem Verlust. Doch jeder dieser Verluste wird durch einen harten Stop-Loss klein gehalten, während die gelegentlichen großen Trends die Gewinne liefern, die das mehr als ausgleichen. Weil Verluste von Anfang an klein gehalten werden, kann kein einzelner Trade das Konto zerstören. Genau das ist die korrekte Funktionsweise einer Breakout-Trendfolgestrategie.
Eine niedrige Trefferquote ist kein Mangel, sondern der Beweis, dass das Risiko ehrlich offengelegt wird. Wir werben nicht mit der Trefferquote, weil wir wissen: Je höher eine Trefferquote aussieht, desto wahrscheinlicher verbirgt sich dahinter etwas.
Selbst nachprüfen
Diesen Trendfolge-EA nach dem Prinzip „niedrige Trefferquote, harter Stop-Loss, kein Grid“ stellen wir komplett kostenlos mit offenem Quellcode zur Verfügung. Wer den Backtest selbst laufen lässt, kann direkt im Code nachvollziehen, wie trotz einer Trefferquote von 34,5 % eine steigende Kapitalkurve entsteht.
Details zum Donchian Trend Engine (kostenloser EA)
Produkte mit derselben Disziplin, verifiziert mit echten Tick-Daten, sind unter anderem MEGAMAX DONCHIAN (USDJPY) und BITCOIN COMET (BTCUSD). Alle arbeiten mit hartem Stop-Loss, ohne Grid und ohne Martingale — die vollständige Verifizierung aller Produkte mit Echtdaten finden Sie hier.
Zusammenfassung
- Die Trefferquote allein sagt nichts aus — entscheidend ist der Profit Factor
- Bei gleichem Profit Factor bedeutet eine hohe Trefferquote oft „gelegentliche riesige Verluste“ und damit ein höheres Kollapsrisiko
- Die meisten EAs mit 90 % Trefferquote vermeiden Stop-Losses durch Nachkauf-, Martingale- oder Grid-Strategien
- Achten Sie auf das Vorhandensein eines harten Stop-Loss, den Equity-Drawdown und die jährliche Gewinn-/Verlustbilanz
- Eine niedrige Trefferquote ist kein Mangel, sondern der Beweis ehrlicher Risikoangaben
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