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Die PF-7-Falle: 5 Prüfpunkte, um manipulierte Backtest-EAs zu entlarven

Veröffentlicht: 2026-05-19Lesezeit: ca. 4 Min
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Die PF-7-Falle: 5 Prüfpunkte, um manipulierte Backtest-EAs zu entlarven

„Profit Factor 7,07 – Gewinnrate 92,24 % – maximaler Drawdown 1,85 % – 22-Jahres-Backtest"

Solche Zahlen begegnen einem in EA-Werbungen immer wieder. Doch bevor man denkt „Das ist unglaublich, das muss ich kaufen" – kurz innehalten. Diese Zahlenkombination ist bei einem klassischen Einzeleinstiegs-EA mathematisch nahezu unmöglich.

Die Zahlen sind nicht zwangsläufig erlogen. Der Trick steckt vielmehr darin, wie diese Zahlen erzeugt werden. Dieser Artikel erklärt, was hinter glänzenden Backtests steckt und wie man sie vor dem Kauf entlarvt.

Warum „PF 7 und 92 % Gewinnrate" eine rote Flagge ist

Das mathematische Gefühl

Realistische Werte für einen typischen Trendfolge-EA (EMA-Kreuzung + ATR-basiertes SL/TP) liegen in folgenden Bereichen:

KennzahlGesunder Bereich
Gewinnrate40–55 %
Profit Factor1,1 – 1,8
Maximaler DD8–25 %
RR (Risiko-Ertrag)1:1,5 – 1:2,5

Um „92 % Gewinnrate und PF 7" zu erreichen, ist mindestens eines der folgenden Konstrukte erforderlich:

  1. Sehr enge Gewinnmitnahme bei unbegrenztem Halten von Verlustpositionen (keine Glattstellung selbst bei hohem Buchverlust – Gewinne nur bei kleiner Gegenbewegung)
  2. Gleichzeitiges Halten mehrerer Positionen zur Verlustverrechnung (Verlust einer Position wird durch andere ausgeglichen, gemeinsame Schließung im Gewinn)
  3. Extrem weites oder gar kein Stop-Loss (nahezu alle Trades können als „Gewinn" gebucht werden)
  4. Varianten von Nachkaufen, Martingale oder Grid (mehrfaches Einsteigen in dieselbe Richtung, Durchschnittskauf und Schließung im Gewinn)

Diese Konstrukte erzeugen im Backtest ein schönes Bild, vernichten aber bei einer einzigen starken Marktbewegung das gesamte Konto.

Praxisbeispiel: Die Zahlen eines Verkaufs-EA

Die folgenden Zahlen stammen aus den öffentlich veröffentlichten Daten eines real existierenden Verkaufs-EA (Zitat aus der Anbieterseite):

KennzahlWert
Profit Factor7,07
Gewinnrate92,24 %
Maximaler DD1,85 % (22-Jahres-BT)
Anzahl Trades3.894
Max. Verlustserie5
Preis¥49.000

Im offiziellen FAQ dieses EA steht ausdrücklich: „Weder Nachkauf- noch Martingale-Logik ist implementiert." Allerdings enthält dasselbe FAQ den Hinweis: „Da mehrere Positionen gleichzeitig gehalten werden, kann das Verhalten gelegentlich wie Nachkaufen wirken."

Außerdem umfasst der EA „12 Handelsmodi", darunter:

  • Festes Basislos
  • Automatisch berechnendes Zinseszins-Los
  • Anpassung per Verlustmultiplikator ← Los wird nach Verlusten erhöht
  • Anpassung per Gewinnmultiplikator ← Los wird nach Gewinnen erhöht
  • Anpassung per Positionsanzahl-Multiplikator

„Kein Martingale" bedeutet also lediglich, dass es im Standardmodus deaktiviert ist – durch Umschalten des Modus kann das Los jedoch sehr wohl bei Verlusten erhöht werden. Das ist faktisch eine Martingale-Variante.

In Kombination mit „mehreren gleichzeitigen Positionen" und „Verhalten das wie Nachkaufen aussieht" wird die Gewinnrate von 92 % konstruktionsbedingt erreichbar.

Das ist weder illegal noch eine Lüge. Es ist geschickte Formulierung.

Wie Backtest-Zahlen entstehen – 4 Muster

Hier sind die gängigsten Techniken zur Erzeugung beeindruckender Zahlen (auch wir könnten technisch einen PF von 7+ auf diesem Weg erzeugen):

Muster 1: Grid mit nicht verbuchten Buchverlusten

- Mehrere Limitorders in einer Preiszone platzieren (z. B. Kauf-Limits im 10-Pip-Abstand)
- Preis fällt → Limits werden ausgelöst → Buchverlust-Positionen akkumulieren sich
- Preis erholt sich → Positionen mit kleinem Gewinn werden der Reihe nach geschlossen
- Die unterste Position wird mit „irgendwann erholt sie sich" weitergehalten
- Bei Backtest-Ende gelten offene Positionen als „nicht geschlossen" und werden nicht als Verlust gewertet

Ein solcher Backtest sieht aus wie PF 5–15, Gewinnrate 85–95 %, DD 1–5 % – scheinbar unschlagbar. Im Echtbetrieb zerstört jedoch eine einzige starke Marktbewegung die Margin durch die angehäuften Buchverlustpositionen.

Muster 2: Extrem weites Stop-Loss

SL = ATR × 10  (üblich wäre ATR × 1,5–2,0)
TP = ATR × 0,3 (üblich wäre ATR × 2,0)

So werden nahezu alle Trades mit kleinem Gewinn geschlossen. Bei den wenigen großen Kurseinbrüchen pro Jahr frisst ein einziger SL-Treffer alle bisherigen Gewinne auf. Falls diese seltenen Extremereignisse im 22-Jahres-Backtest zufällig im „fertigen" Teil liegen, sehen die Ergebnisse dennoch sauber aus.

Muster 3: Nachkaufen und Durchschnittskauf

- Erste Position läuft ins Minus
- In gleicher Richtung mit 1,5-fachem Los nachkaufen (Durchschnittseinstieg verbessern)
- Bei weiteren Verlusten erneut mit 1,5-fachem Los nachkaufen
- Sobald der Durchschnittspreis bei Gegenbewegung überschritten wird, alle Positionen schließen

Solange in den 22 Jahren Backtestdaten kein dauerhafter Trend ohne Gegenbewegung existiert, nähert sich dieser EA einer Gewinnrate von 100 %. Die mathematische Tatsache, dass ein einziger starker Marktausbruch das Konto auflöst, bleibt dennoch bestehen.

Muster 4: Kurvenanpassungs-Optimierung (Curve Fitting)

Wer aus 22 Jahren Daten Tausende von Parameterkombinationen ausprobiert und die für diese Vergangenheit profitabelste Kombination wählt, erhält garantiert einen EA mit PF 5+. Für die Zukunft ist dieser EA jedoch wertlos. (Mehr dazu im Artikel „Überoptimierung (Curve Fitting) vermeiden".)

5 Prüfpunkte vor dem Kauf

Wenn man bei einem „PF 7"-EA zögert, sollte man folgende fünf Punkte prüfen:

Prüfpunkt 1: Wird die Logik offengelegt?

Prüfen, ob auf der Verkaufsseite ein konkreter Algorithmus wie „EMA-Kreuzung + ATR-SL" beschrieben wird.

  • Klar beschrieben: EMA37/80-Kreuzung, Bollinger-Ausbruch nach oben etc.
  • ⚠️ „Dutzende Indikatoren je nach Marktlage", „geheime Logik", „KI entscheidet": Black Box. Bei Problemen ist die Ursache nicht identifizierbar.

Grundregel: Keine Black-Box-EAs kaufen.

Prüfpunkt 2: Werden sowohl die Balance-Kurve als auch die Equity-Kurve gezeigt?

Backtest-Berichte können zwei Arten von Graphen liefern:

GraphInhalt
Balance (Kontostand)Kumulierte realisierte Gewinne/Verluste aus abgeschlossenen Positionen
Equity (Eigenkapital)Tatsächlicher Kontowert einschließlich offener Buchgewinne/-verluste

EAs mit angehäuften Buchverlusten zeigen eine sauber steigende Balance-Kurve, jedoch periodische starke Einbrüche in der Equity-Kurve. Wird nur die Balance-Kurve gezeigt, kann das ein Hinweis sein, dass Buchverluste verborgen werden.

Den Anbieter nach der Equity-Kurve fragen. Anbieter, die diese nicht vorweisen können oder wollen, sollte man meiden.

Prüfpunkt 3: Maximales Gesamt-Los und Anzahl der Positionen bei längster Verlustserie

Die einfachsten Fragen, um Nachkauf-/Martingale-EAs zu entlarven:

  • Wie hoch ist das Gesamt-Los bei der längsten Verlustserie?"
  • Wie viele Nachkaufstufen gibt es maximal?"
  • Gibt es den Parameter MaxNanpinCount?"

Vage Antworten oder Formulierungen wie „Es können mehrere Positionen gehalten werden" oder „je nach Marktlage" deuten auf ein Grid-/Nachkauf-System hin.

Prüfpunkt 4: Wird eine Kurvenanpassungs-Überprüfung für den 22-Jahres-BT veröffentlicht?

Seriöse Entwickler publizieren getrennte Werte für Training (erste 10 Jahre) und Test (letzte 10 Jahre):

ZeitraumSeriöser EAÜberoptimierter EA
Training (erste Hälfte)PF 1,6 / DD 8 %PF 7,0 / DD 1,8 %
Test (zweite Hälfte)PF 1,4 / DD 10 %PF 0,8 / DD 35 %

Ein EA, dessen Performance im Testzeitraum zusammenbricht, ist ausschließlich auf die Vergangenheit optimiert (Curve Fitting). Da der Echtbetrieb in der Zukunft stattfindet, ist die Test-Performance der eigentlich entscheidende Indikator.

Prüfpunkt 5: Los-Berechnungslogik

Den Anbieter um einen Screenshot des Einstellungsparameter-Fensters bitten. Folgende Parameter-Namen sind ein Warnsignal:

  • LotMultiplier (Los-Multiplikator)
  • MartingaleStep (Martingale-Stufe)
  • NanpinDistance (Nachkauf-Abstand)
  • GridStep (Grid-Schritt)
  • RecoveryMode (Erholungsmodus)
  • MaxPositions mit Wert ≥ 10 (auf mehrere Positionen ausgelegt)
  • UseAveraging (Verwendung von Durchschnittskauf)

Wenn diese Parameter vorhanden sind, der Anbieter aber offiziell „kein Nachkaufen/Martingale" behauptet, handelt es sich wahrscheinlich um eine sprachliche Ausweichformulierung.

Was zu beachten ist, wenn man trotzdem einen „Zahlen-EA" verwenden möchte

Ehrlich gesagt können Nachkauf-/Grid-EAs bei richtiger Anwendung durchaus Gewinne erzielen. Auch auf fxea365.com werden Nachkauf-EAs wie „KAMIKAZE", „TETSUBEKI", „HEDGE_RECOVERY" und „ATR_DYNAMIC" angeboten.

Dabei gelten jedoch unbedingt folgende Regeln:

  1. Nur Kapital einsetzen, dessen Verlust verschmerzbar ist – maximal 5 % des Gesamtkapitals
  2. Gewinne täglich auszahlen – Gewinne auf dem Konto zu belassen führt irgendwann zum Totalverlust
  3. Kontoauflösung einkalkulieren – diese EAs sind mathematisch so konstruiert, dass sie früher oder später scheitern
  4. EAs wählen, die „Totalverlust vorausgesetzt – tägliche Auszahlung" offen kommunizieren – ehrlicher als Systeme, die das verschweigen

Wer glänzende Zahlen für bare Münze nimmt und Kapital investiert, landet beim klassischen Ende von Nachkauf-/Grid-Systemen: Monate an Gewinnen werden durch eine einzige starke Marktbewegung vollständig ausgelöscht.

Weitere Details zu den Betriebsregeln finden sich unter Nachkauf-EA-Betriebsregeln.

Fazit – Solide Zahlen, solider EA

Auf fxea365.com werden vollständige Logik-Offenlegung, Veröffentlichung des MQ5-Quellcodes und Backtest-Ergebnisse auf Basis echter MT5-Daten angeboten.

Die resultierenden Zahlen unserer EAs sind entsprechend „unspektakulär":

EAPF (gemessen)DD %Jährliche Rendite
GOLD EMA ATR1,2315,1 %+6,5 %
GOLD BB Breakout1,456,4 %+11,4 %
AUDUSD Range1,3014,2 %+10,6 %
XAGUSD Silver1,3010,9 %+11,4 %

Diese Zahlen wirken im Vergleich zu „PF 7" bescheiden, sind jedoch der Preis für eine Sicherheit, bei der das Konto durch eine einzige starke Marktbewegung praktisch nicht vernichtet werden kann.

Die Entscheidungsgrundlage bei der EA-Wahl ist simpel:

  • Kapital mit aggressiven Zahlen vergrößern wollen → Nachkauf-/Grid-EA „auf Totalverlust-Basis" verwenden (tägliche Auszahlung zwingend erforderlich)
  • Langfristig handeln wollen → Einzeleinstiegs-EA mit realistischen Jahresrenditen von 5–15 % akzeptieren

Einen EA, der beides gleichzeitig erfüllt, gibt es mathematisch nicht. Wer in Werbeversprechen behauptet, beides zu liefern, verbirgt etwas.

Den perfekten EA gibt es nicht. Wohl aber einen EA, der zum eigenen Handelsstil passt, dessen Logik offengelegt ist und der sich nachprüfen lässt. Genau das ist das Ziel von fxea365.com.

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