Nie einen EA ohne Blick auf die Verlustserie starten
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Im Backtest-Report eines EA schauen wir uns vor PF und Jahresrendite zuerst die maximale Verlustserie an. Der Grund ist simpel: In den meisten Fällen wird ein EA nicht deshalb abgeschaltet, weil er "kollabiert", sondern weil ein Mensch mitten in einer Verlustserie die Nerven verliert. Die maximale Verlustserie ist praktisch die einzige Kennzahl, die uns im Voraus verrät, wie schwer dieser Belastungstest werden wird.
Das Ergebnis vorweg: Man sollte seine Kapitalplanung darauf aufbauen, dass die im Backtest gemessene maximale Verlustserie im Live-Betrieb mit Sicherheit übertroffen wird. Es gibt keinen Grund, warum ein EA, der in den letzten 10 Jahren maximal 11 Verluste in Folge hatte, nächstes Jahr nicht 12 oder 13 erreichen sollte.
Eine Verlustserie ist keine "Anomalie", sondern Teil des Designs
Bei einem EA mit niedriger Trefferquote sind aufeinanderfolgende Verluste kein Defekt, sondern erwartungsgemäßes Verhalten. Um ein grobes Gefühl dafür zu bekommen, listen wir die Wahrscheinlichkeit einer Verlustserie unter der Annahme unabhängiger Versuche auf (in der Realität häufen sich Verluste tendenziell stärker, dies ist also eine optimistische Untergrenze).
| Trefferquote | Wahrscheinlichkeit für 5 Verluste in Folge | Wahrscheinlichkeit für 10 Verluste in Folge |
|---|---|---|
| 50% | ca. 3,1% | ca. 0,1% |
| 40% | ca. 7,8% | ca. 0,6% |
| 30% | ca. 16,8% | ca. 2,8% |
| 25% | ca. 23,7% | ca. 5,6% |
Bei einem einzelnen Versuch wirkt das klein, aber ein EA eröffnet pro Jahr Dutzende bis Hunderte Trades. Bei einer Strategie mit 500 Trades wäre es geradezu unnatürlich, wenn nie eine Serie von 10 Verlusten aufträte. Auch in echten Messwerten zeigt sich das: MEGAMAX DONCHIAN (USDJPY H1) hat bei einer Trefferquote von 34,5% eine maximale Verlustserie von 11, ATLAS bei 33,2% Trefferquote eine maximale Verlustserie von 13. Bei trendfolgenden Strategien mit niedriger Trefferquote sind zweistellige Verlustserien ein Standard-Ritual.
Umgekehrt hat selbst GOLD KING v6 mit einer Trefferquote von 83,1% eine maximale Verlustserie von 10. Eine hohe Trefferquote bedeutet nicht, dass keine Verlustserien auftreten.
Den Kapitalpuffer für 11 Verluste in Folge berechnen
Als konkretes Beispiel nehmen wir MEGAMAX DONCHIAN (USDJPY H1). Die realen Messwerte: Trefferquote 34,55%, maximale Verlustserie 11, PF 1,55, Balance-Drawdown 15,19%, Equity-Drawdown 58,6%.
Die Berechnung gliedert sich in drei Schritte.
1. Die erwartete Verlustserie mit dem Faktor 1,3 bis 1,5 multiplizieren. Lag das historische Maximum bei 11, rechnen wir mit 14 bis 17 Verlusten in Folge. Das ist kein statistisch strenger Koeffizient, sondern eine empirische Sicherheitsmarge, die wir für unsere eigene Kapitalplanung verwenden. Auf Nachfrage nach der Begründung können wir nur sagen: "Der historische Höchstwert ist keine Obergrenze für die Zukunft."
2. Risiko pro Trade × erwartete Anzahl Verluste berechnen. Begrenzt man das Risiko pro Trade auf 1% des Kontos, beträgt der Verlust bei 17 aufeinanderfolgenden Verlusten (unter Berücksichtigung des Zinseszinseffekts) etwa 16% des Kontos. Bei 2% sind es rund 29%, bei 3% rund 40%. Wichtig ist hier: Der reale Wert von 15,19% Balance-Drawdown bezieht sich nur auf die im Backtest-Zeitraum tatsächlich aufgetretene Serie von 11 Verlusten. Streckt man die Annahme auf 17 Verluste, muss man mit einem entsprechend tieferen Einbruch rechnen.
3. Den Zeitfaktor einbeziehen. Die durchschnittliche Haltedauer von MEGAMAX DONCHIAN beträgt 32 Stunden 58 Minuten, die Anzahl der Trades liegt bei 631 in 9,4 Jahren, also rund 70 pro Jahr. Das bedeutet: 14 Verluste in Folge sind nicht in wenigen Tagen vorbei, sondern können sich über mehrere Wochen bis über 2 Monate hinziehen. Bei BITCOIN GLACIER (durchschnittliche Haltedauer 996 Stunden, 28 Trades in 8 Jahren) würde selbst eine maximale Verlustserie von 3 rechnerisch fast ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Achten Sie nicht nur auf die "Anzahl" der Verluste, sondern auch auf deren "Dauer".
Übersetzt man das in konkrete Beträge, wird das mentale Ausmaß greifbar. Bei einem Konto von 300.000 Yen und 1% Risiko summieren sich die schwebenden und realisierten Verluste während 14 Verlusten in Folge auf gut 40.000 Yen — und die ganze Zeit über zeigt die Kapitalkurve nach unten. Sich dieses Bild vorher selbst vor Augen zu führen, ist unserer Ansicht nach die einzige Vorbereitung, um den EA nicht ausgerechnet am Tiefpunkt der Verlustserie abzuschalten.
Prüfschritte (in 5 Minuten anhand des Backtest-Reports)
- Die maximale Verlustserie notieren. Im MT5-Strategietester das Feld "Maximale Verlustserie (Betrag/Anzahl)". Beide Werte betrachten, Anzahl und Betrag.
- Mit der Trefferquote abgleichen. Bei einer Trefferquote im Bereich 30% sind zweistellige Verlustserien selbstverständlich. Ist die Trefferquote hoch, aber die Verlustserie trotzdem lang, könnten sich die Verlusttrades auf bestimmte Marktphasen konzentrieren.
- Durchschnittliche Haltedauer × maximale Verlustserie überschlagen, um die "Dauer der Verlustserie" abzuschätzen. Prüfen, ob das die eigene Toleranz für schwache Phasen übersteigt.
- Risiko pro Trade × (maximale Verlustserie × 1,3 bis 1,5) berechnen. Ist der resultierende Wert nicht zu ertragen, bleibt nur, die Lot-Größe zu reduzieren. Ein anderer EA beseitigt die Verlustserien nicht.
- Sowohl Balance-Drawdown als auch Equity-Drawdown prüfen. Schwebende Verluste während einer Verlustserie zeigen sich im Equity-Drawdown. Die Differenz zwischen dem Balance-Drawdown von 15,19% und dem Equity-Drawdown von 58,6% bei MEGAMAX DONCHIAN ist genau dieser Unterschied.
- EAs mit niedriger Korrelation kombinieren. Reiht man EAs mit derselben Währung und derselben Logik aneinander, treten Verlustserien gleichzeitig auf. Detaillierte Messwerte lassen sich im realen Ranking aller EAs vergleichen.
Die Grenzen dieser Betrachtung
Drei Punkte möchten wir hier ehrlich ansprechen.
Die maximale Verlustserie ist eine "Punkt"-Information. Ob es einmal 11 Verluste in Folge gab oder fünfmal eine Serie von 9 bis 11 Verlusten, macht für die Belastung im Live-Betrieb einen enormen Unterschied. Aus einer einzigen Zeile im Report lässt sich das nicht unterscheiden. Um die Verteilung der Verlustserien zu sehen, muss man die eigentliche Trade-Historie durchgehen.
Bei EAs mit wenigen Trades ist die maximale Verlustserie wenig aussagekräftig. Die maximale Verlustserie von 3 bei BITCOIN GLACIER basiert auf nur 28 Trades. Das sollte man nicht als "neigt kaum zu Verlustserien" lesen, sondern als "hat noch nicht genug Trades durchlaufen, um eine Verlustserie zu erleben."
Es gibt Formen von Verlustserien, die im Backtest nicht auftauchen. Kommt eine Range- oder Volatilitätsphase, die im Testzeitraum kein einziges Mal vorkam, wird der Rekord aktualisiert. Auch wir wissen nicht, wie lang die maximale Verlustserie unserer eigenen EAs künftig noch werden wird. Gerade weil wir es nicht wissen, kalkulieren wir die Annahme großzügig.
Zusammenfassung
- Die maximale Verlustserie zuerst betrachten, noch vor PF und Jahresrendite. Ein EA scheitert im Betrieb seltener am Kollaps als am manuellen Abschalten mitten in einer Verlustserie
- Die im Backtest gemessene maximale Verlustserie ist kein Höchstwert, sondern ein historischer Ist-Wert. Die Kapitalplanung auf das 1,3- bis 1,5-Fache auslegen
- Auch bei hoher Trefferquote treten Verlustserien auf (GOLD KING v6: Trefferquote 83,1%, maximale Verlustserie 10)
- Zweistellige Verlustserien bei trendfolgenden Strategien mit niedriger Trefferquote sind Teil des Designs (MEGAMAX DONCHIAN: Trefferquote 34,5%, maximale Verlustserie 11)
- Nicht nur die "Anzahl der Verluste" betrachten, sondern die mit der durchschnittlichen Haltedauer multiplizierte Dauer der Verlustserie. Kann man mehrwöchige bis mehrmonatige Schwächephasen aushalten?
- Eine kleine maximale Verlustserie bei EAs mit wenigen Trades ist möglicherweise kein Beweis für Stärke, sondern Ausdruck von Datenmangel
- Ergibt sich ein untragbarer Wert, nicht den EA wechseln, sondern die Lot-Größe reduzieren
Maximale Verlustserie, Balance-Drawdown und Equity-Drawdown jedes einzelnen EA sind vollständig auf den jeweiligen Einzelseiten der EA-Übersicht aufgeführt. Bevor Sie die Einstellungen festlegen, legen Sie zusammen mit der Anleitung zur EA-Einrichtung zunächst fest, wie viele Verluste in Folge Ihre Kontogröße verkraften kann.
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