Umgang mit Drawdowns — Verlustserien überstehen und den EA weiter betreiben
Zuletzt aktualisiert: 2026-05-20 | Lesezeit: ca. 12 Minuten
Kein EA ist so gut, dass er Drawdowns — also vorübergehende Kapitalrückgänge — vollständig vermeidet. Wer beim EA-Betrieb scheitert, tut dies meistens nicht wegen einer schlechten Strategie, sondern weil er einen Drawdown nicht aushalten kann und den EA zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt stoppt. Dieser Artikel zeigt, wie man mit Drawdowns sachlich und konstruktiv umgeht.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Drawdown?
Ein Drawdown (DD) gibt an, um wie viel Prozent der Kontostand seit seinem letzten Höchststand gefallen ist. Sinkt das Konto beispielsweise von 10.000 EUR auf 8.000 EUR, beträgt der Drawdown 20 %.
Ein Drawdown ist kein Fehler des EAs, sondern ein unvermeidlicher Preis, den man für Gewinne an den Märkten zahlt. Selbst ein EA mit echtem Vorteil hat keine gleichmäßige Folge von Gewinnen und Verlusten — Verluste häufen sich manchmal zur Verlustserie. Entscheidend ist, ob man diese Phase als „im Rahmen des Erwarteten“ akzeptieren kann.
Zur Erholung ist mehr Gewinn nötig als der erlittene Verlust
Eine oft übersehene Eigenschaft von Drawdowns: Der prozentuale Verlust und der zur Erholung benötigte Gewinn sind nicht gleich groß. Um ein um 20 % gesunkenes Konto wieder auf den Ausgangswert zu bringen, sind nicht 20 %, sondern 25 % Gewinn nötig.
Je tiefer der Rückgang, desto schneller wächst diese Lücke. Deshalb reicht es nicht, bei einem tiefen Drawdown einfach abzuwarten. Tiefe Drawdowns von vornherein zu vermeiden ist die beste Form des Kapitalschutzes.
| Drawdown | Benötigter Gewinn zur Erholung |
|---|---|
| 10 % | ca. 11 % |
| 20 % | 25 % |
| 30 % | ca. 43 % |
| 50 % | 100 % |
| 70 % | ca. 233 % |
Was man bei Verlustserien vermeiden sollte
Lots erhöhen, um Verluste „zurückzuholen“
Lots während einer Verlustserie zu erhöhen ist der schnellste Weg, das Konto zu ruinieren. In einer Phase, in der Verluste anhalten, das Risiko zu steigern, kann aus einem Drawdown einen fatalen Schaden machen.
EA-Parameter während des Betriebs ändern
Änderungen während eines Drawdowns entwerten alle bis dahin gesammelten Testdaten. Wer ändern möchte, sollte den EA stoppen und Backtest sowie Forward-Test neu durchführen.
Den EA zum ungünstigsten Zeitpunkt stoppen
Den EA am Tiefpunkt des Drawdowns zu stoppen bedeutet, die anschließende Erholung zu verpassen. Gestoppt wird nur nach einem vorher festgelegten Regelwerk.
Ständig auf den nächsten „vielversprechenden EA“ wechseln
Wer bei jedem Drawdown den EA wechselt, erlebt bei jedem EA genau dessen schlechteste Phase. Ein nach Prüfung eingesetzter EA sollte für den festgelegten Zeitraum weiter betrieben werden.
Normalen DD von anormalem DD unterscheiden
Nicht jeder Drawdown erfordert sofortiges Handeln. Die entscheidende Frage ist, ob er „im Erwartungsbereich“ oder „außerhalb davon“ liegt.
Bleibt der Drawdown im Rahmen des maximalen DD aus Backtest und Forward-Test, ist das eine normale Schwankung. Übersteigt er dagegen deutlich den bisherigen Höchstwert oder weicht das Handelsmuster klar vom Backtest ab, sollte man eine veränderte Marktlage oder einen EA-Fehler in Betracht ziehen.
| Zustand | Beurteilung |
|---|---|
| DD liegt im BT-Maximum | Normal — als erwartete Schwankung weiterlaufen lassen. |
| DD beträgt das 1,0–1,5-Fache des BT-Maximums | Beobachten — aufzeichnen und mit erhöhter Aufmerksamkeit weiterlaufen lassen. |
| DD übersteigt das 1,5-Fache des BT-Maximums | Prüfen — auf Demo-Konto zurückwechseln und Ursache untersuchen. |
| Handelsmuster weicht klar vom BT ab | Anomalie — EA stoppen und auf Fehler prüfen. |
Stoppgrenze festlegen
Um auf Drawdowns nicht emotional zu reagieren, sollte vor Betriebsstart eine Stoppgrenze in konkreten Zahlen festgelegt werden: „Bei diesem Rückgang stoppe ich.“ Mit dieser Festlegung ist man im Ernstfall handlungssicher.
Als Richtwert für die Stoppgrenze gilt das 1,5-Fache des maximalen Drawdowns im Backtest. Viele EAs bieten Parameter wie MaxMonthlyDD (automatischer Stopp bei monatlichem DD-Limit), mit denen dies automatisiert werden kann.
Stoppgrenze numerisch festlegen
Vor Betriebsstart festhalten: „Stopp bei relativem DD von X %“, und diese Festlegung dokumentieren.
Automatische Stopp-Parameter konfigurieren
Sicherheitsfunktionen des EAs wie DailyLossLimitPct oder MaxMonthlyDD aktivieren.
Nach dem Stopp erst prüfen, dann neu starten
Nach einem Stopp nicht aus dem Bauch heraus neu starten — erst durch Walk-Forward-Test oder Forward-Test die Ursache klären und dann entscheiden.
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